Als die Glocken verstummten
© epd-bild/Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der PfalzRohstoffe für die Materialschlacht
Mehr, mehr, immer mehr: Die deutsche Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg ist unersättlich. Durch die Entwicklung neuer Geschütze, die blitzschnell wieder schussbereit sind, und die Weiterentwicklung von Infanteriewaffen wie dem Maschinengewehr 08/15 braucht die Armee viel mehr Munition als noch in früheren Kriegen. So feuern am 21. Februar 1916 in Verdun zum Beispiel 1.500 Geschütze acht Stunden auf die feindlichen Stellungen. Eine vorstellbare Menge an Munition braucht es für solche Materialschlachten.
Die Rohstoffe dafür kommen zum Teil von den patriotischen Deutschen in der Heimat: Am Anfang geben sie im Kriegstaumel Zinnkrüge und Messingpfannen noch freiwillig ab. Doch schon bald reicht das nicht mehr aus, um die Rüstungsindustrie angesichts knapper werdender Rohstoffe zu versorgen. Und so richtet sich das Auge des Kriegsministeriums auf größere Beute: auf Kirchenglocken wie diese aus der evangelischen Kirche in Mussbach.Kirchenglocken eingeschmolzen
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Als die Glocken verstummten
Als im Sommer 1914 die ersten Truppen Richtung Belgien ausrücken, verspricht Kaiser Wilhelm II. großspurig: "Ihr werdet wieder zu Hause sein, ehe noch das Laub von den Bäumen fällt." Doch statt eines kurzen Waffengangs erwartet die Menschen ein vier Jahre dauernder, verlustreicher Stellungskrieg. Der Materialschlacht des Ersten Weltkriegs fallen ab Frühjahr 1917 auch ungefähr die Hälfte aller Kirchenglocken zum Opfer.