Weniger Jugendgewalt wegen geänderter Erziehung

Weniger Jugendgewalt wegen geänderter Erziehung
Der Wandel der elterlichen Erziehungskultur in Deutschland hat nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer zu einem deutlichen Rückgang der Jugendgewalt geführt. "Anders als früher erziehen die meisten Eltern ihre Kinder heute nach dem Grundsatz 'Liebe statt Hiebe'", sagte Pfeiffer der Zeitschrift "Publik-Forum" (Ausgabe vom 10. März).

Studien belegten, dass sich die Jugendgewalt seit 2007 auch als Folge dieses radikalen Wandels der Erziehung halbiert habe. Die beste Prävention sei die Erfahrung von Liebe und Zugehörigkeit. Rechtsextreme Gewalttäter seien hingegen überwiegend lieblos erzogene, geprügelte Menschen, fügte Pfeiffer hinzu. "Sie sind geprägt von Angst, Misstrauen, Abwehr und Hass." 

Der frühere Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen verwies auf vergleichbare Erfahrungen im gesellschaftspolitischen Bereich. "Wirksamer als harte Strafen ist eine effektive Sozialpolitik: Wer keine Chance bekommt, sich positiv in die Gesellschaft einzubringen, wird das irgendwann auf negative Weise tun." Zur rückläufigen Entwicklung der Jugendkriminalität in Deutschland trügen auch die guten Chancen bei, die die junge Generation jetzt auf dem Arbeitsmarkt vorfinde, sagte der Kriminologe, der von 2000 bis 2003 für die SPD niedersächsischer Justizminister war. 

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Pfeiffer berichtete, er sei als Kind ausgegrenzt worden. In einer Flüchtlingsfamilie aus der DDR sei er 1952 nach Schwaben gekommen. "Sprachlich war ich dort ein Außenseiter - und als evangelisches Kind von 'Saupreußen' gehörte ich nirgends dazu. Ich fand keine Freunde und wurde als einziges Kind in der Klasse nie zum Kindergeburtstag eingeladen." 

Beim Spielen hätten ihn andere Kinder an eine Jauchegrube gelockt und ihn ausgelacht, als er hineinfiel. "Ein Knecht hat mich rausgezogen, und ich musste stinkend durch die ganze Stadt nach Hause laufen. Diese Erfahrung habe ich lange mit mir herumgeschleppt", sagte Pfeiffer. So habe er sich leicht mit den türkischstämmigen Kindern identifizieren können, die in einer vergleichbaren Rolle gewesen seien.