Kritik an Missbrauchsstudie der katholischen Kirche

Missbrauchsstudie

Foto: dpa/Friso Gentsch

(Symbolbild)

Kritik an Missbrauchsstudie der katholischen Kirche
Der Kölner Psychiater und katholische Theologe Manfred Lütz hat bereits bekanntgewordene Auszüge aus der Missbrauchsstudie der katholischen Kirche kritisiert. Darin würden Schlussfolgerungen für die Struktur der Kirche, den Zölibat und den Umgang mit homosexuellen Priestern gezogen, die nicht durch Daten gestützt würden, sagte Lütz der Tageszeitung "Die Welt" (Donnerstag).

Er bezog sich auf eine Zusammenfassung der Studie, die in der vergangenen Woche in Umlauf geraten war. Diese sei unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten zum Teil "abenteuerlich", sagte der Theologe. Die gesamte Studie wird in der kommenden Woche bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz vorgestellt.

Einstellung der Kirche zur Ehelosigkeit problematisch

Lütz, der die Bischofskonferenz in der Vergangenheit zu Fragen des sexuellen Missbrauchs beraten hatte, kritisierte insbesondere die in der Zusammenfassung geäußerten Thesen zum Zölibat. Eine im Jahr 2012 von führenden Experten erstellte Studie für die Bischofskonferenz sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine "Kopplung der Debatten um sexuellen Missbrauch durch Geistliche und dem Zölibat" jeglicher wissenschaftlichen Grundlage entbehre, betonte der Psychiater und Buchautor. Dies steht im Widerspruch zu den jetzt bekannt gewordenen Details der neuen Missbrauchsstudie. Demnach birgt die Einstellung der Kirche zur Ehelosigkeit von Priestern teilweise Probleme.

Seriöse wissenschaftliche Klärung fehlt

Der Theologe kritisierte auch die Medienarbeit der Deutschen Bischofskonferenz. Die "ganze Geheimnistuerei" sei irritierend, sagte er mit Blick auf die Tatsache, dass die Studie bislang noch nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde. Dies verzerre auch die Berichterstattung in den Medien. "Es kommt jetzt zum Beispiel heraus, dass unter den 1.670 Klerikern, die als 'Täter' durch die Medien gehen, auch staatsanwaltlich dokumentierte Falschbeschuldigungen sind", sagte Lütz der "Welt". Es gebe zudem einen "hohen Prozentsatz an Aussage-gegen-Aussage-Situationen, wo die Kirche es versäumt hat, sich um eine seriöse wissenschaftliche Klärung der Anschuldigungen zu bemühen".

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