"Brot für die Welt"-Spendenaktion mit Festgottesdienst eröffnet

"Brot für die Welt"-Spendenaktion

epd-Bild/dpa/Gerhard Baeuerle

Wolfgang Schäuble (1. Reihe, 7.v.l, CDU), Präsident des Deutschen Bundestages, und seine Ehefrau Ingeborg Schäuble (1. Reihe, 6.v.l) nehmen an einem Festgottesdienst in der Leonhardskirche teil.

"Brot für die Welt"-Spendenaktion mit Festgottesdienst eröffnet
Die evangelische Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hat am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Stuttgarter Leonhardskirche ihre 60. bundesweite Spendenaktion eröffnet. "Seit 60 Jahren geben Menschen durch 'Brot für die Welt' Zeichen der Hoffnung weiter", sagte Landesbischof Frank Otfried July in seiner Predigt. "Die Botschaft ist: Bedrückende Verhältnisse können verändert werden."

Wo Menschen satt werden, ein Zuhause finden, Würde erfahren, da komme Gott an, sagte der württembergische Bischof auf der Kanzel der ersten Vesperkirche Deutschlands. Der Festgottesdienst, der live in der ARD übertragen wurde, war der Auftakt ins Jubiläumsjahr des Hilfswerks.

Unter dem Motto "Brot für die Welt" hatten evangelische Landes- und Freikirchen erstmals am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle zu Spenden für die weltweit Hungernden aufgerufen. Am Ersten Advent wird jährlich die neue Spendenaktion eröffnet. In diesem Jahr steht sie unter dem Motto "Hunger nach Gerechtigkeit".



Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte in einem Grußwort im Gottesdienst, in unserer satten Wohlstandsgesellschaft würden die allermeisten den Hunger nach Brot zum Glück nicht mehr kennen. "Aber ein Verlangen nach Gerechtigkeit schon. Und das Bedürfnis, Notleidenden zu helfen." Advent sei das Warten auf die Ankunft Christi, des Gerechten. Jesu Gerechtigkeit bedeute mehr als Wohlstand, nämlich auch Gemeinsinn und Verantwortung für den Nächsten. "Ob wir wollen oder nicht, heute hat diese Verantwortung eine globale Dimension."

Bischof July sagte, es bleibe viel zu tun. "Jeder neunte Mensch hungert und hat kein sauberes Trinkwasser, Millionen leben in Armut, werden gedemütigt und ausgegrenzt" - und das obwohl es weltweit genug gebe und der Wohlstand insgesamt steige.

Die Präsidentin von "Brot für die Welt", Cornelia Füllkrug-Weitzel, mahnte: "Ohne Gerechtigkeit wird der Hunger bleiben." Alle sollten satt werden - "hier und weltweit". Zudem solle die Würde jedes Menschen geachtet werden. Dafür seien die Partner des Hilfswerks sowie unzählige Gemeinden und Menschen dankenswerterweise seit bald 60 Jahren auf dem Weg.

Mehr zu 60. Aktion Brot für die Welt
ARD/SWR überträgt den evangelischen Gottesdienst zum 1. Advent aus der Gedächtniskirche in Speyer, denn Advent findet auch in diesem Jahr statt und Sie sind eingeladen, mitzufeiern.    
Kundgebung der Evangelischen Kirche und der evangelischen Freikirchen in Deutschland von "Brot für die Welt" in der Westberliner Deutschlandhalle am 12. Dezember 1959
Heute vor 60 Jahren, am 12. Dezember 1959, rief der Theologe Helmut Gollwitzer in der Kundgebung der Evangelischen Kirche und der evangelischen Freikirchen "Brot für die Welt" in der Berliner Deutschlandhalle auf, den weltweiten Hunger zu bekämpfen. Hier seine Rede im Wortlaut.


Die weltweiten Partner von "Brot für die Welt" wurden im Gottesdienst von Colin Gonsalves vertreten, einem indischen Menschenrechtsanwalt und Träger des alternativen Nobelpreises. Er hat mit einer Musterklage vor dem indischen Verfassungsgerichtshof das "Recht auf Nahrung" erstritten und erreicht, dass es heute ein freies Schulessen und ergänzende Nahrung für Millionen armer Kinder sowie für Schwangere und Heranwachsende gibt. "Jugendliche aus Deutschland, reist zu den Armen dieser Welt und helft ihnen, das wird euch für ein ganzes Leben prägen", sagte Gonsalves.

"Brot für die Welt" hat bislang rund 2,4 Milliarden Euro an Spenden und Kollekten erhalten. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Spendeneinnahmen auf 61,8 Millionen Euro. Zudem erhielt das Hilfswerk 54,7 Millionen Euro aus kirchlichen Mitteln und 147,3 Millionen Euro aus dem Haushalt des Entwicklungsministeriums. Das Hilfswerk fördert mehr als 1.500 Projekte in 97 Ländern.