"An der Hand eines anderen Menschen sterben"

Debatte um organisierte Hilfen zum Suizid und assistierte Selbsttötung

© Getty Images/Pekic

Kirche und Gesellschaft sollten zuallererst an der Seite derer stehen, die aufgrund einer Erkrankung die Selbsttötung als Ausweg in Betracht zögen, forderte evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus. .

Hospiztag
"An der Hand eines anderen Menschen sterben"
Zum Welthospiztag am 9. Oktober fordert Bremens leitender evangelischer Theologe Bernd Kuschnerus eine bessere Versorgung sterbenskranker Menschen.

"In ihren letzten Lebenstagen oder -wochen haben Menschen, die im medizinischen Sinn als 'austherapiert' gelten, ein besonderes Anrecht auf Lebensqualität", erklärte der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche. "Dafür muss es genügend Hospizplätze geben."

Dazu gehöre auch, dass Kirche und Gesellschaft in der Debatte um organisierte Hilfen zum Suizid und assistierte Selbsttötung zuallererst an der Seite derer stünden, die aufgrund einer Erkrankung die Selbsttötung als Ausweg in Betracht zögen. "Ich bewerte und verurteile das nicht", bekräftigte Kuschnerus, sagte aber auch: "Es ist immer besser, an der Hand eines anderen Menschen als durch die Hand eines anderen Menschen zu sterben.

Das Sterben in Kliniken und Hospizen würdevoll zu begleiten, sei nach seiner Auffassung die vorrangige Aufgabe einer humanen Gesellschaft. "Dafür setzen wir uns in der Seelsorge ein." Bundesweit gibt es rund 250 stationäre Hospize. In Bremen entsteht gerade eine vierte Einrichtung, in Bremerhaven wurde kürzlich der symbolische Spatenstich für das erste Hospiz in der Seestadt gesetzt.

Diskussionen und Infos vor Ort

"Leben! Bis zum Schluss." lautet das Motto des diesjährigen Welthospiztages, der jährlich am zweiten Samstag im Oktober begangen wird und der 2005 ins Leben gerufen wurde. Veranstaltet wird er von der "Worldwide Hospice and Palliative Care Alliance" (WHPCA), einem Netzwerk von nationalen Hospiz- und Palliative-Care-Organisationen, in Kooperation mit weiteren Partnern und unterstützt durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Der Bremer Hospiz- und Palliativverband organisiert anlässlich des diesjährigen Welthospiztages die siebten Bremer Hospiztage. Bis zum 30. Oktober sind Vorträge, Diskussionen, Informationsabende und zwei "Letzte-Hilfe"-Kurse geplant.

Mehr zu Sterbebegleitung
Wenn ein Mensch gestorben ist, öffnen manche ein Fenster, ­damit die Seele rausfliegen kann.
Vor dem Tod spielt der menschliche Körper ein regelrechtes Programm ab, das mehrere Tage dauern kann. Wie können wir einem Menschen in seinen letzten Tagen und Stunden beistehen? Ein Kurs in "Letzter Hilfe" liefert Antworten.
Spaß in der Wohngruppe mit geistig behinderten Menschen
Auch Menschen mit geistiger Behinderung sollten nach Ansicht der Theologin Sabine Schäper in die ehrenamtliche Hospizarbeit eingebunden werden. "Manche Fachkräfte oder auch Angehörige meinen, sie mit diesen Themen verschonen zu müssen."