Peter Dabrock will das "Wir" stärken

entschlossenes Portrait von Peter Dabrock

© Axel Schmidt/Reuters-Pool/dpa

Peter Dabrock stellt beim Jahresempfang des evangelischen Kirchenkreises Nürnberg fest, dass uns das aktuelle Weltgeschehen "brutal aus unserem selbstgenügsamen Schlummerschlaf herausgerissen" habe.

Zusammenhalt in Krisenzeiten
Peter Dabrock will das "Wir" stärken
Klimakrise, Corona-Pandemie, Finanzkrise oder marode Infrastruktur - die Gesellschaft hat es sich laut Theologieprofessor Peter Dabrock in den vergangenen Jahren bequem gemacht und Schwierigkeiten nach draußen oder auf andere Generationen geschoben.

Der frühere Vorsitzende des deutschen Ethikrats hat beim Jahresempfang des evangelischen Kirchenkreises Nürnberg am Dienstagabend in der Sebalduskirche festgestellt: "Unser räumliches und zeitliches Externalisieren fällt uns gerade auf die Füße." Die durch die aktuellen Krisen ausgerufene Zeitenwende habe "uns brutal aus unserem selbstgenügsamen Schlummerschlaf herausgerissen".

Hoffnung könne man aber dennoch haben, weil sich in den Krisen der vergangenen Jahre immer eine überraschend starke Solidarität aufgetan habe, sagte Dabrock. Er nannte die Willkommenskultur 2015, die Bereitschaft, für besonders Gefährdete in der Corona-Pandemie über zwei Jahre Solidarität zu zeigen, die Hilfe für die Opfer der Flutkatastrophe und für die Ukraine.

Er rief dazu auf, das "Wir" zu stärken und ernst zu nehmen: "Viel mehr Bürgerinnen und Bürger sind bereit, Schweres, sie Einschränkendes, vermeintlich Kompliziertes und Unpopuläres mitzutragen." Der Politikstil, der reinen Wein einschenke, der sage, was auch schiefgehen könne, finde gerade Anerkennung.

Improvisieren in Kunst und Krisen

Die evangelische Nürnberger Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern sagte, das "Wir" der Gesellschaft sei in den vergangenen Jahren hart auf die Probe gestellt worden. Viele Erfahrungen würden rat- oder mutlos zurücklassen. Christen aber seien "Realisten - mit Hoffnung und Zuversicht", sagte die Regionalbischöfin vor 350 geladenen Gästen.

Zu dem Empfang unter dem Motto "Im Schlamassel" hatte Hann von Weyhern auch den Professor für Orgel und Improvisation aus Weimar, Martin Sturm, eingeladen. "Improvisieren ist eine Kunst, die hoch im Kurs steht, wenn man nur auf Sicht fahren kann, wenn man sich auf Bewährtes nicht mehr verlassen kann", erläuterte sie den Zusammenhang zwischen Dabrock Referat und Sturms Musik.

Zum Evangelisch-Lutherischen Kirchenkreis Nürnberg gehören den Angaben nach über eine halbe Million Evangelische im Großraum Nürnberg. In zehn Dekanaten sind 284 Kirchengemeinden zwischen Gräfenberg und Pappenheim, Hersbruck und Neustadt an der Aisch organisiert. Zum Kirchenkreis gehören auch die Gemeinden von Nürnberg, Fürth und Erlangen. 

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Geplant ist unter anderem am 23. Februa, dem Vorabend des zweiten Jahrestags, ein Mahngang in Berlin, der vom Brandenburger Tor zur russischen Botschaft führen soll, wie die Evangelische Friedensarbeit im Raum der EKD donnerstags mitteilte.