Verband will Bibliotheken sonntags öffnen

Regale mit alten Büchern

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Der Deutsche Bibliotheksverband sieht in der Sonntagsöffnung von Büchereien Chancen für bildungsferne Familien.

Umsetzung von Koalitionsvertrag
Verband will Bibliotheken sonntags öffnen
Der Deutsche Bibliotheksverband (DBV) hat sich für die Öffnung öffentlicher Bibliotheken an Sonntagen ausgesprochen. Es gebe sehr gute Erfahrungen damit, gerade in Großstädten, sagte DBV-Präsident Frank Mentrup dem Evangelischen Pressedienst. .

Innenstädte würden dadurch attraktiver und für Familien sei es ein niederschwelliges Freizeitangebot. Gerade für eher bildungsferne Familien und Familien in kleinen Wohnungen könne ein Bibliotheksbesuch am Sonntag zu einem gemeinsamen Erlebnis werden. Wenn eine Kommune diese sozial- und gesellschaftspolitischen Ziele verfolge, dann öffne sie am Sonntag; belasse sie das Angebot beim klassischen Ausleihgeschäft, "dann öffne ich nicht", sagte Mentrup, der auch Karlsruher Oberbürgermeister ist.

Der SPD-Politiker betonte, die Sonntagsöffnung öffentlicher Bibliotheken sei Teil der Vereinbarungen des Koalitionsvertrages der Bundesregierung. Es gebe aber insbesondere in Teilen der SPD-Bundestagsfraktion noch Widerstände. Ähnlich wie bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di werde dort eine Sonntagsöffnung abgelehnt. "Wir sind hier in Gesprächen, versuchen die Argumente abzuklopfen. Ich bin optimistisch, dass wir das in dieser Legislaturperiode hinbekommen", sagte Mentrup.

Er verwies dabei auf das Bundesarbeitszeitgesetz, das wissenschaftlichen Bibliotheken bereits erlaube, am Sonntag zu öffnen. "Man müsste aus diesem Gesetz nur den Begriff "wissenschaftlich" streichen. Dann wäre alles gut."
Die meisten öffentlichen Bibliotheken seien sind in kommunaler Trägerschaft. Dadurch seien die Hürden sehr hoch, "jemanden zur Sonntagsarbeit zu verdonnern". Er gehe davon aus, dass die meisten Kommunen, eine Sonntagsöffnung nicht umsetzen wollten. Unter anderem wäre dies auch mit zusätzlichen Lohnkosten verbunden.

Zugleich verwies Mentrup auf Beispiele aus Berlin und Nordrhein-Westfalen, wo es trotz Arbeitszeitgesetz Sonntagsöffnungen von öffentlichen Bibliotheken gebe: "In NRW wird das über ein Landesgesetz geregelt. In Berlin deklariert die Amerika-Gedenkbibliothek beispielsweise die Öffnung am Sonntag als Kulturveranstaltung, die von Dritten durchgeführt wird, mit der Einschränkung, dass vor Ort kein Bibliothekspersonal zur Verfügung steht."

Es gebe auch in anderen Bundesländern Bestrebungen, die Bibliotheken sonntags zu öffnen, so Mentrup. "Wir als Verband wollen lediglich den Kommunen die Möglichkeit geben, es zu tun. Niemand soll dazu gezwungen werden", betonte der Präsident des Bibliotheksverbandes.

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Die Anzahl der öffentlichen Bibliotheken lässt sich laut Deutschem Bibliotheksverband (DBV) nicht genau feststellen. Laut Deutscher Bibliotheksstatistik gibt es derzeit mindestens 8.155 öffentliche Bibliotheksstandorte (Stand: 2021), teilt der DBV auf Anfrage mit. Davon werden 4.370 von Städten, Gemeinden und Landkreisen unterhalten. Die Kirchen unterhalten demnach 3.527 Bibliotheksstandorte. Hinzu kommen rund 600 Schulbibliotheken, die zum Teil in der Trägerschaft von Städten oder Gemeinden sind, zum Teil aber auch von den Schulen direkt betrieben werden. 2020 haben laut Statistik mehr als elf Millionen Personen öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken genutzt.

Mit seinen mehr als 2.000 Mitgliedern vertritt der DBV nach eigenen Angaben mehr als 9.000 öffentliche und wissenschaftliche Bibliotheken. Der Verband sieht seine Aufgabe darin, sich gegenüber der Politik für eine Stärkung der Bibliotheken einzusetzen. Ziel sei ein freier Zugang zu Informationen für alle gemäß Grundgesetzartikel 5, Absatz 1. Da die Angaben zur jährlich erfassten Deutschen Bibliotheksstatistik freiwillig sind, sind dort nicht alle Bibliotheken erfasst.