Bischöfin Fehrs betet mit König Charles

König Charles III.

© Bernd von Jutrczenka/dpa

Der britische König Charles III. besucht am Freitag das Mahnmal der ehemaligen Hauptkirche St. Nikolai in Hamburg.

Kranzniederlegung in Hamburg
Bischöfin Fehrs betet mit König Charles
80 Jahre nach Zerstörung der Hamburger Hauptkirche St. Nikolai durch alliierte Bomberverbände legen der britische König Charles III. und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitag, 31. März, am Mahnmal Kränze nieder. Bei diesem Zeremoniell spricht Kirsten Fehrs, Bischöfin der Nordkirche, die "Versöhnungslitanei von Coventry". 

Im Vorfeld des Zeremoniells erklärte Fehrs: "Das Zeichen der Versöhnung zwischen zwei ehemaligen Kriegsgegnern und das gemeinsame Gedenken an die Opfer sind ein wichtiges Signal in der heutigen Zeit." Krieg dürfe niemals das letzte Wort haben, sagte die Bischöfin mit Blick auf die zahlreichen militärischen Konflikte und auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Sie betonte das versöhnungs- und friedensstiftende Wirken der Kirchen in Großbritannien und Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg und nannte dabei die inzwischen weltumspannende Nagelkreuz-Gemeinschaft. Entstanden in der britischen Stadt Coventry nach deren Zerstörung durch die deutsche Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg gehören ihr inzwischen weltweit 160 ökumenische Glaubensgemeinschaften an, in denen regelmäßig Versöhnungsgebete abgehalten werden, so Fehrs. Zu den 49 Städten der Nagelkreuz-Gemeinschaft gehört seit 1993 die Hamburger Gedenkstätte St. Nikolai. 

"Mit der Bitte 'Vater vergib', die jeden Freitag um 12 Uhr weltweit an vielen Orten gesprochen wird, wollen wir uns vom Hass und vom Neid auf andere lossagen", erklärt Bischöfin Fehrs. "Damit zeigen Christen einen Weg auf, wie sich Gewalt überwinden lässt."

Die Gedenkzeremonie am Mahnmal bildet mit der Besichtigung des Denkmals "Kindertransport – Der letzte Abschied" den Auftakt des Hamburg-Besuches von König Charles III. und seiner Gemahlin Camilla. Sie wird mitgestaltet von Propst und Hauptpastor Dr. Martin Vetter und der Geschäftsführerin des Förderkreises Mahnmal St. Nikolai, Dr. Nele Fahnenkrug.

Mahnmal St. Nikolai

Die Ruine der Hauptkirche am Hamburger Hopfenmarkt ist als Mahnmal St. Nikolai "den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945" gewidmet. Die Kirche wurde 1195 begründet und letztlich 1874 fertiggestellt. Ihr 147,3 Meter hoher Turm war bis 1877 das höchste Bauwerk der Welt. Bei den Luftangriffen auf Hamburg während des Zweiten Weltkriegs diente der Turm der Nikolaikirche als Zielmarkierung für die britischen und amerikanischen Bomber. Am 25. Juli 1943 wurde die Kirche durch Fliegerbomben im Rahmen der "Operation Gomorrha" schwer beschädigt. 

Nach dem weitgehenden Abriss der Kriegsruinen 1951 sind heute neben dem Turm noch ein Teil der südlichen Außenmauer und die Wände des Chors erhalten. Für eine Gedenkstätte wurden auf dem offenen Platz des ehemaligen Kirchenraums sowie in der unmittelbaren Umgebung Kunstwerke und Denkmale aufgestellt. Seit 1960 steht die Ruine unter Denkmalschutz. Die Hauptkirche St. Nikolai wurde 1962 als Neubau in den Stadtteil Harvestehude an den Klosterstern verlegt. Seit 1993 ist das Mahnmal St. Nikolai Mitglied der weltweiten Gemeinschaft von Nagelkreuzzentren.

Hier finden Sie die Versöhnungslitanei zum Download:

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Das Nagelkreuz von Coventry 
Das Nagelkreuz von Coventry ist ein christliches Symbol aus der Kathedrale von Coventry. Es soll die Idee der völkerweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Welt hinaustragen. Seine Geschichte begann mit der "Operation Mondscheinsonate", dem schweren deutschen Luftangriff auf Coventry vom 14. November 1940. Dabei starben 550 Menschen. Neben großen Teilen der Innenstadt und Industrieanlagen wurde auch die spätmittelalterliche St. Michael's Kathedrale zerstört. Der damalige Dompropst Richard Howard ließ bei den Aufräumarbeiten drei große Zimmermannsnägel, die aus den Trümmern geborgen wurden, zu einem Kreuz zusammensetzen. Er ließ außerdem die Worte "FATHER FORGIVE" (Vater vergib) in die Chorwand der Ruine meißeln und aus zwei verkohlten Holzbalken ein großes Kreuz zusammensetzen. In der Ruine der alten Kathedrale ist ein Duplikat des Holzkreuzes zu sehen, das originale Nagelkreuz steht heute in einer künstlerisch gestalteten Weise auf dem Altar der 1962 geweihten neuen Kathedrale. Es gilt als Zeichen der Versöhnung und des Friedens.
 
Versöhnungsgebet von Coventry
Im Jahre 1959 wurde das Versöhnungsgebet von Coventry formuliert und wird seitdem an jedem Freitagmittag um 12 Uhr im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale in Coventry gebetet. Solche Gebete finden parallel weltweit an vielen Orten der Nagelkreuz-Gemeinschaften statt.