TV-Tipp: "Tatort: Der Fluch des Geldes"

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28. Januar, ARD, 20:15 Uhr
TV-Tipp: "Tatort: Der Fluch des Geldes"
Im vierten Beitrag des sonntäglichen Tatorts geht Drehbuchautor Hendrik Hölzemann auf Schürks gestörte Beziehung zum verbrecherischen Vater ein.

Ein Mann geht eine Landstraße entlang und kann sich nur durch einen beherzten Sprung über die Leitplanke vor einem Raser retten. Kaum ist der Wagen hinter der nächsten Kurve verschwunden, ertönt ein lautes Krachen. Den Unfall hatte jedoch nicht der Raser, sondern eine Autofahrerin. Sie hat sich, wie die Obduktion später ergeben wird, buchstäblich zu Tode erschreckt. Der Fußgänger ist der Saarbrücker Hauptkommissar Leo Hölzer (Vladimir Burlakov).

Er hat Teile des Kennzeichens erkannt, aber das Auto ist als gestohlen gemeldet. Als der Besitzer seinen Pick-up unversehrt zurückbekommt, lässt er die Anzeige fallen. Natürlich will Hölzer den Fahrer oder die Fahrerin trotzdem zur Rechenschaft ziehen, schließlich ist er überzeugt, dass er oder sie für den Tod der Frau verantwortlich ist. Beweise gibt es dafür allerdings ebenso wenig wie einen Hinweis auf die Identität der Personen, die in dem Auto saßen.

Hendrik Hölzemann hat mit Ausnahme des letzten Falls bislang alle Drehbücher für die Saarbrücker Krimis mit Hölzer und Schürk (Daniel Sträßer) geschrieben. Sein vierter Beitrag verknüpft die horizontale Geschichte Schürks und dessen gestörte Beziehung zum verbrecherischen Vater raffiniert mit dem aktuellen Fall: Die beiden Männer, seit jungen Jahren beste Freunde, haben sich gestritten, weil Schürk die Beute aus einem Bankraub seines Vaters, immerhin 1,5 Millionen Euro, als Schmerzensgeld für die furchtbare Kindheit behalten will; deshalb ist Hölzer wütend über die Landstraße gestapft. Später ist er ganz froh, dass das Geld noch da ist, denn er braucht 100.000 Euro, und jetzt wird nimmt die Handlung Züge an, die zumindest für einen "Tatort" recht ungewöhnlich sind: Der Raserwagen ist vor einem Casino gestohlen worden. Dort trifft Hölzer auf zwei Männer und zwei Frauen, die sich ihre Zeit mit Wetten vertreiben. Dank seines respektablen Einsatzes und seiner Bereitschaft, diese Summe bedenkenlos aufs Spiel zu setzen, wird er unter Vorbehalt in die Gruppe aufgenommen. 

Gewisse Schwächen hat "Der Fluch des Geldes" bei der Zeichnung der vier Charaktere, die zum Teil doch recht klischeehaft ausgefallen sind: Einer der Männer, Taleb (Omar El-Saeidi), hat eine extrem kurze Zündschnur und wacht eifersüchtig über seine Frau Betty (Susanne Bormann), der zweite, Dino (Daniel Zillmann), muss sich vom ersten ständig wegen seiner Korpulenz verspotten lassen; die andere Frau, Luisa (Jasmina Al Zihair), ist drogenabhängig und wirkt wie eine typische Filmfigur. Interessant sind immerhin die gruppendynamischen Prozesse, die Hölzer auslöst, weil die unterschwelligen Spannungen innerhalb des Quartetts nun offen zu Tage treten; mindestens zwei Mitglieder hegen Träume und Sehnsüchte, die mit den Spielregeln nicht vereinbar sind. 

Die Wetten sorgen für allerlei Nervenkitzel; einige sind albern und harmlos, andere lebensgefährlich. Clever lässt Hölzemann die Vorgeschichte seiner Hauptfigur einfließen: Luisa wettet, sie könne allein mit Worten den Puls der anderen über hundert Herzschläge pro Minute treiben; sie konfrontiert Hölzer unbeabsichtigt mit dessen Vergangenheit, von der sie natürlich keine Ahnung hat. Der eigentliche Reiz des von Christian Theede dicht umgesetzten Drehbuchs liegt ohnehin in der Gradwanderung des Kommissars, denn er  bewegt sich außerhalb der Legalität. Da er auf eigene Faust verdeckt ermittelt, wären etwaige Beweise juristisch nicht verwertbar. Selbst wenn sich rausstellen sollte, dass die vier tatsächlich das Auto gestohlen und die alte Frau indirekt auf dem Gewissen haben: Er wüsste immer noch nicht, wer am Steuer saß.

Reizvoll ist auch der Rollentausch: Bislang war stets Schürk derjenige, der es mit den Vorschriften nicht so genau nahm. In einer verblüffenden Szene holt Hölzer imaginären Rat bei dem Freund, der den Platz seines Spiegelbilds eingenommen hat. Auffällig gut ist auch die Bildgestaltung (Lena Katharina Krause); die elektronische Musik (Daniel Hoffknecht) und der an den richtigen Stellen flotte Schnitt (Martin Rahner) bescheren dem Film das nötige Tempo.

Die Drehorte bieten viel Augenfutter: Ein Casino ist dank blinkender Spielautomaten, rotierender Rouletteräder und Spannung an den Spieltischen immer ein dankbarer Schauplatz. Auf bizarre Weise pittoresk ist zudem eine heruntergekommene Industriebrache, in der einige der Wetten stattfinden. Hier hat das Quartett den potenziellen Gewinn versteckt, immerhin 120.000 Euro; "Jackpot" lautete der treffende Arbeitstitel des Films. Angesichts des verblüffenden Schlusses hätte "Wie gewonnen, so zerronnen" ebenfalls gepasst.

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