TV-Tipp: "Dünentod – Ein Nordsee-Krimi: Falsches Spiel"

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30. Januar, RTL, 20:15 Uhr
TV-Tipp: "Dünentod – Ein Nordsee-Krimi: Falsches Spiel"
"Falsches Spiel" ist der insgesamt vierte "Dünentod"-Film, aber Drehbuchautor Gregor Erler greift darin jene Ebene auf, die bereits einen erheblichen Reiz der zweiten Geschichte ausmachte.

In "Tödliche Falle" hatte Drehbuchautor Gregor Erler angedeutet, dass eine mächtige Eminenz im Hintergrund die Fäden zieht und offenbar schon seit Jahrzehnten einen düsteren Einfluss auf das Leben von Hauptkommissar Tjark Wolf hat. Ein aufmerksames Publikum konnte damals ahnen, um wen es sich handelt, und natürlich bereitet es eine gewisse Befriedigung, wenn diese Ahnung nun bestätigt wird. Aber ob sich noch jemand daran erinnern wird? Seltsam, dass RTL "Falsches Spiel" nicht als Auftakt der neuen Trilogie zeigt, zumal der Film mindestens eine Klasse besser ist als zuletzt "Tod auf dem Meer", der angesichts des insgesamt vierten Films wie ein negativer Ausreißer wirkt. Das gilt auch für Inszenierung, obwohl beide Male Dominic Müller Regie führte. 

Schon der Auftakt ist spannend. Die Szene, in der Ganoven bei voller Fahrt einen LKW ausrauben, wirkt wie ein Stunt aus der RTL-Serie "Alarm für Cobra 11": Ein PKW klemmt sich hinter den Laster, ein mit Seilen gesicherter Mann klettert durchs Schiebedach, öffnet die Tür des Laderaums und holt die Ladung aus, die sein Komplize im Auto verstaut. Weil der Wagen im Windschatten bleibt, bekommt der LKW-Fahrer nichts von der Aktion mit. Anders als sonst findet der Überfall jedoch nicht auf der Autobahn, sondern auf einer Landstraße statt, und als dem LKW-Fahrer die Getränkedose runterfällt und gleichzeitig ein Schaf die Straße kreuzt, kommt es zu einem Unglück, das inklusive Schaf niemand überlebt. Trotzdem ist das im Grunde kein Fall für Tjark Wolf (Hendrik Duryn) und seine im letzten Film zur Chefin beförderten Kollegin Femke Folkmer (Pia Barucki), weshalb die zuständige Ermittlerin von der Autobahnpolizei auch nicht sonderlich begeistert ist, als der Dezernatsleiter (Florian Panzner) die drei gemeinsam ermitteln lässt. Rena Fehmerling (Kristin Suckow) steht ohnehin unter großem Druck, denn es gab schon mehrere Verbrechen dieser Art; die Karriere ihrer erfolglosen Vorgängerin hat deshalb ein abruptes Ende gefunden.

Die Geschichte ist deutlich komplexer als bei "Tod auf dem Meer", zumal die Köpfe des Netzwerks offenbar in den Behörden sitzen. Beim Ensemble gibt es diesmal keine Schwächen, weil auch kleinere Rollen interessant besetzt sind, etwa mit Klara Deutschmann als Gattin jenes Schäfers (Jonas Lauenstein), dessen Tier die Tragödie ausgelöst hat. Er hat am Unfallort etwas gefunden, was die finanziellen Probleme des Paars für immer lösen könnte, doch das vermeintliche Glück wird zur tödlichen Gefahr.

Anders als der letzte Film zeichnet sich "Falsches Spiel" zudem durch eine beiläufige Heiterkeit aus. Weil zumindest der Kletterer über besondere Fertigkeiten verfügen muss, führt die Spur zu einem Veranstalter von Trucker-Shows; Christian Ahlers verkörpert diesen Mann, den Wolf und Femke später in letzter Sekunde vor einem grausamen Tod bewahren, als fröhliche Parodie auf einen neureichen Schausteller. Einige witzige Dialoge bilden einen reizvollen Kontrast zu Thriller-Momenten wie jenem, als das Duo auf den Organisator (Robert Kuchenbuch) der Raubzüge stößt und in eine gefährliche Pattsituation gerät, weil der Gangster Femke eine Waffe an den Kopf hält, während Wolf ihn im Visier hat; zum Finale wird sich die Konstellation wiederholen, diesmal jedoch mit veränderten Rollen. 

Drehbuch und Umsetzung erfreuen ohnehin durch originelle kleine Momente: Als Fehlering am Tatort auf dem Tablet erläutert, wie "Truck Robbery" funktioniert, nutzt der Film eine Autoscheibe als Projektionsfläche für ihre Zeichnung. Mitunter spielen Buch und Regie auch geschickt mit den Erwartungen, als Wolfs Wohnung gleich zu Beginn in einer cleveren Parallelmontage zum Überfall von Eindringlingen heimgesucht wird. Neben der erneut sorgfältigen Bildgestaltung (wieder Simon Schmejkal), einem guten Schnitt (Carsten Eder) und der im Vergleich zum letzten Film ungleich vielschichtigeren Geschichte zeichnet sich "Falsches Spiel" auch durch eine effektivere Dramaturgie aus, zumal Erler schon früh clever in die Irre führt. Dem Film tut zudem gut, dass Wolf diesmal zwar eine zentralere Rolle spielt, dafür aber von gleich drei starken Frauen umgeben ist, weil Hintergrundermittlerin Cetinkaya (Ceylan Özer) viel präsenter ist als zuletzt. 

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