Corona-Minus bei Kirchensteuer überwunden

Andreas Barner

© epd-bild/Jens Schulze

Weil sich die Zahl der Kirchenmitglieder bis 2060 voraussichtlich halbiert, will die EKD bereits bis 2030 Einsparungen von 17 Millionen Euro machen. Haushaltsexperte Andreas Barner verwies auf der Synode auf die Risiken der Inflation.

Haushaltsbericht auf Synode
Corona-Minus bei Kirchensteuer überwunden
Der Einbruch der Steuereinnahmen der evangelischen Kirche infolge der Corona-Pandemie ist überwunden. Nach einem Minus von 5,4 Prozent 2020 stiegen die Einnahmen aus der Kirchensteuer im vergangenen Jahr um 6,6 Prozent auf 5,99 Milliarden Euro.

Dennoch sprach der Haushaltsexperte im Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Andreas Barner, am Montag bei der Synodentagung in Magdeburg von schwierigen Zeiten. Sie seien schwieriger, als noch vor der Pandemie erwartet worden sei.

Er nannte den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, die damit verbundene Energiekrise und die hohe Inflation als Gründe für seine Einschätzung. Allerdings sei die EKD mit ihrer seit 2018 erarbeiten langfristigen Finanzstrategie gut vorbereitet auch angesichts der neuen Unsicherheiten. Weil sich die Mitgliederzahl der 20 evangelischen Landeskirchen bis 2060 voraussichtlich halbiert und auch die Steuereinnahmen in ähnlichem Umfang sinken, will die EKD als Dachorganisation bis 2030 bereits 17 Millionen Euro weniger ausgegeben als im Jahr 2019.

Barner brachte in die Tagung des Kirchenparlaments den Haushalt für 2023 ein, über den die Synodalen bis Mittwoch entscheiden werden. Der Etat der EKD, der sich wesentlich aus Umlagen der Landeskirchen speist, soll im nächsten Jahr rund 247 Millionen Euro umfassen, nach 246,1 Millionen im laufenden Jahr. Die Umlagen werden wegen des Kirchensteuereinbruchs im Jahr 2020 um 0,3 Prozent niedriger ausfallen als im laufenden Jahr.

Barner verwies in seine Einbringungsrede mehrfach auf die Risiken der Inflation. Die Haushälter in der evangelischen Kirche gehen davon aus, dass selbst bei einem nominalen Kirchensteuerplus die finanziellen Möglichkeiten wegen des Kaufkraftverlustes sinken.

Mehr zu EKD-Synode 2022 in Magdeburg
Portrait der EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus
Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus blickt kurz vor ihrem 60. Geburtstag dankbar, aber auch nachdenklich zurück: "Ich kann nicht von mir behaupten, dass ich mich von Jugend an konsequent für den Schutz der Umwelt engagiert hätte."
EKD-Ratsvorsitzende und westfälische Präses Annette Kurschus
Die EKD-Ratsvorsitzende Kurschus kritisiert die Protestformen der Klimabewegung "Letzte Generation": "Sich auf der Straße festzukleben und Kunstwerke zu verunstalten: Das schafft eine Menge Unmut und negative Aufmerksamkeit".

Stichwort: Evangelische Kirche in Deutschland

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) ist die Gemeinschaft der 20 evangelischen Landeskirchen in der Bundesrepublik mit rund 19,7 Millionen Protestanten. Wichtigste Leitungsgremien sind die EKD-Synode mit 128 Mitgliedern, die Kirchenkonferenz mit Vertretern der Landeskirchen sowie der aus 15 ehrenamtlichen Mitgliedern bestehende Rat. Ratsvorsitzende ist die westfälische Präses Annette Kurschus.

Die EKD wurde 1945 als Zusammenschluss lutherischer, reformierter und unierter Landeskirchen ins Leben gerufen. Die einzelnen Landeskirchen sind selbstständig, die EKD koordiniert jedoch das einheitliche Handeln. Ihre Aufgaben liegen vor allem bei Fragen der öffentlichen Verantwortung der Kirche und bei den Beziehungen zu den Partnerkirchen im Ausland. Zudem ist die EKD zuständig für die Herausgabe der Lutherbibel und des Gesangbuchs. Sie veröffentlicht regelmäßig Denkschriften zu ethischen, sozialen, politischen und theologischen Themen.

Die Teilung Deutschlands hatte 1969 auch für die evangelische Kirche eine organisatorische Trennung zur Folge. Nach der politischen Wiedervereinigung schlossen sich 1991 die evangelischen Kirchen in Ost- und Westdeutschland wieder zusammen. Anfang 2007 wurde eine Strukturreform wirksam, die auf eine enge Verzahnung der Organe und Dienststellen von EKD und konfessionellen Zusammenschlüssen der Lutheraner und Unierten abzielt. Seit 2009 tagen daher EKD-Synode, die lutherische Generalsynode und die Vollkonferenz der unierten Kirchen zeitlich und personell verzahnt am gleichen Ort.

Stichwort: Konfessionelle Bünde in der EKD

Unter dem Dach der EKD gibt es zwei konfessionelle Bünde: In der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) sind sieben lutherische Landeskirchen mit zusammen rund acht Millionen Gläubigen verbunden. Die Union Evangelischer Kirchen (UEK) wird von zwölf Landeskirchen gebildet, zu denen mehr als zehn Millionen Christen gehören. Diese überwiegend unierten Kirchen gingen aus dem Zusammenschluss reformierter und lutherischer Kirchen im 19. Jahrhundert in Preußen und anderen deutschen Ländern hervor. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) ist Mitglied in beiden Bünden.

Seit einigen Jahren verzahnen die EKD und die beiden konfessionellen Zusammenschlüsse ihre Organe und Dienststellen miteinander, um Kräfte zu bündeln und Doppelstrukturen zu vermeiden. Das sogenannte Verbindungsmodell wurde 2007 wirksam. Seit 2009 tagen die Kirchenparlamente von Lutheranern und Unierten sowie die EKD-Synode jeweils örtlich und zeitlich verbunden sowie personell verzahnt. Auf der Synode 2016 stimmten die Delegierten auch für die Zusammenführung der drei Kirchenämter in Hannover.

Eine Vertiefung der gemeinsamen theologischen Arbeit soll überdies zu einer stärkeren evangelischen Profilierung führen, ohne die Bekenntnisunterschiede zwischen lutherischen, reformierten und unierten Christen in Deutschland zu verwischen. Die Vereinbarungen betreffen die Zusammenarbeit und Aufgabenverteilung zwischen den Kirchenbünden zum Beispiel in den Bereichen Theologie, Liturgie und Ökumene sowie Rechtsangleichungen wie bei den Pfarrdienstgesetzen.