Kirchentag will "Hoffen und Machen" verbinden

Kirchentagspräsident de Maizière und Generalsekretärin Jahn stellen Kirchentagsprogramm vor

© epd-bild/Anestis Aslanidis

Kirchentagspräsident Thomas de Maizière und Generalsekretärin Kristin Jahn stellen das Programm für den Kirchentag 2023 im Juni in Nürnberg vor.

100.000 Teilnehmer erwartet
Kirchentag will "Hoffen und Machen" verbinden
Der Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg wird sich mit den fordernden Themen der Zeit befassen: dem Frieden und dem Klima. Man wolle eine Art "Lagerfeuer" sein, sagte Kirchentagspräsident Thomas de Maizière bei der Programmvorstellung.

Wie der frühere Bundesinnenminister am Donnerstag bei der Vorstellung des Programms für das christliche Laientreffen vom 7. bis 11. Juni in Nürnberg sagte, will der Kirchentag in Krisenzeiten Hoffnung vermitteln. Mehrere Krisen zur gleichen Zeit ließen "unsere Zeiten" wirklich als etwas Besonderes erscheinen, sagte de Maizière bei der Vorstellung des Programms für das größte christliche Laientreffen.

Zeitenwende, Zeitenumbruch, in dieser besonderen Zeit wolle der Kirchentag in Nürnberg eine "Zeitendeutung" versuchen. "Wir wollen mit unserer christlichen Botschaft Hoffnungsträgerinnen und Hoffnungsträger sein. Wir sind so eine Art Lagerfeuer", sagte de Maizière. Die Generalsekretärin des Kirchentages, Kristin Jahn, sagte, "wir verbinden Hoffen und Machen und knicken bei Krisen nicht ein".

Auf den großen Hauptpodien des Kirchentags in Nürnberg wird laut den Veranstaltern unter anderem über die Klimakrise, Demokratie, Generationengerechtigkeit, Internationale Sicherheitspolitik und Waffenlieferungen debattiert. Ein wichtiger Schwerpunkt werde zudem das Thema Menschenrechte mit regionalen Projekten wie einem eigens entwickelten Audioguide zu Erinnerungsorten in Nürnberg und Fürth sein.

Erstmals seien im Programm sogenannte Weiße und Graue Flecken festgelegt worden. Die genauen Programmpunkte sollen erst kurz vor der Durchführung bekannt gegeben werden. So könnten auch aktuelle Ereignisse in das sonst monatelange im Voraus geplante Programm eingehen, hieß es.

Unter dem Titel "Welchen Frieden wollen wir? Grenzverschiebungen in der Friedensethik" sollen der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Friedrich Kramer, der neue Generalinspekteur der Bundeswehr, Carsten Breuer, und Sven Giegold (Grüne), Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, diskutieren.

Der Kirchentag wolle eine "Zeitendeutung" versuchen und Hoffnungsträger sein, sagte der Präsident des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentages, Thomas de Maizière.

2.000 Einzelveranstaltungen stehen auf dem Programm des 38. Deutschen Evangelischen Kirchentags, der unter dem Motto steht "Jetzt ist die Zeit". Etwa 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden erwartet, darunter prominente Politiker wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne). Auch kirchliche Prominenz gehört zu den Gästen, darunter die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus und der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing.

Zum kulturellen Programm gehört das Kyiv Symphony Orchestra, das derzeit in Gera residiert. 3.000 Menschen singen in Chören oder spielen in den traditionellen Posaunenchören, die sich über die Stadt verteilen.

Viele Programmpunkte sind auch in der Nachbarstadt Fürth geplant. Das Schwerpunktthema dort ist "Die Zukunft von Kirche und Glaube". Dort soll auch ein Gottesdienst stattfinden, der von Künstlicher Intelligenz vorbereitet wird, hieß es.

Erstmals wird es kein dickes, gedrucktes Programmheft mehr geben, teilten die Veranstalter mit. Alle Veranstaltungen seien auf der Internetseite des Kirchentags und ab Ende März in einer App zu finden.

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Stichwort: Deutscher Evangelischer Kirchentag

Der evangelische Kirchentag findet seit 74 Jahren an wechselnden Orten statt: Vom 7. bis 11. Juni ist der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag in Nürnberg zu Gast. Er steht unter dem Leitwort "Jetzt ist die Zeit", das auf einen Bibelvers aus dem Markus-Evangelium im Neuen Testament verweist. Etwa 100.000 Teilnehmende werden erwartet. Präsident des Nürnberger Kirchentages ist der ehemalige Bundesminister Thomas de Maizière (CDU), das zentrale Büro des Kirchentages in Fulda leitet Generalsekretärin Kristin Jahn.

Gegründet wurde der evangelische Kirchentag 1949 in Hannover als große Laienbewegung. Gemeinsam mit Freunden initiierte damals der Theologe Reinhold von Thadden-Trieglaff (1891-1976) die von der Amtskirche unabhängige Bewegung. Bis 1964 war er auch deren Präsident.

Bis 1954 fand der Kirchentag jährlich statt, seit 1957 wird er alle zwei Jahre gefeiert. Mit dem zeitlichen Abstand sollte ein jährlicher Wechsel mit dem Katholikentag ermöglicht werden. In Zusammenarbeit mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken gab es 2003 in Berlin erstmals einen Ökumenischen Kirchentag, 2010 folgte der zweite in München, 2021 der dritte in Frankfurt am Main.

Auch in der DDR fanden Kirchentage statt. Als sich das Verhältnis zwischen Kirche und SED-Staat in den 1970er Jahren entspannte, gab es weniger Einschränkungen für kirchliche Großveranstaltungen.

Von den Deutschen Evangelischen Kirchentagen gingen viele Anregungen und Initiativen aus. 1961 begann in Berlin der Dialog zwischen Juden und Christen, 1965 fand in Köln ein viel beachtetes evangelisch-katholisches Gespräch statt. Auch Diskussionen zur Überwindung der deutschen Teilung sowie zu Friedens- und Umweltthemen nahmen auf Kirchentagen ihren Ausgang.

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